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mazefilm film & gender - politics

Link zu Splice In / Second Take

Filmfestival zu Gender und Politik in Afghanistan,
seinen Nachbarländern und Europa

beim Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest
14.11.-17.11.07

SPLICE IN ist ein Begriff aus der Filmmontage. Er bezeichnet das Einfügen eines Teils in eine bestehende Sequenz, ohne dabei etwas anderes zu überschreiben. In Folge verändert sich die Dramaturgie. SPLICE IN als Filmprogramm greift in bestehende Diskurse ein, indem es andere Perspektiven einschiebt.

In der kurzen Geschichte des afghanischen Kinos stehen seit 2001 erstmals auch Frauen hinter der Kamera. Ihre filmische Arbeit ist zugleich eine politische, in der sie die gegenwärtige Situation reflektieren und kritisieren sowie sich für den künftigen Status von Frauen in der afghanischen Gesellschaft engagieren. Die Übernahme politischer Mandate, die Abschaffung von Zwangsheirat, die Kritik an traditionellen Familienstrukturen oder das Vorgehen gegen Korruption bilden Themen ihrer Filme.

Dem immer wieder instrumentalisierten Thema "Frauen und Afghanistan" stellt das Festival SPLICE IN lokale Initiativen von FilmemacherInnen, Schauspielerinnen und Frauenorganisationen gegenüber, deren politische Arbeit teilweise weit vor die Taliban-Zeit zurückreicht und auch aus dem Exil geführt wurde. Diese Perspektiven werden mit internationalen Kooperationen und Filmen aus den Nachbarländern Iran und Indien über vergleichbare politische Anliegen zusammengeführt. So dokumentiert z.B. der indische Film Nari Adalat ("Frauengerichte") der Filmemacherin und Feministin Deepa Dhanraj eine aus Selbstinitiative hervorgegangene alternative Rechtsform, die in bestehende hierarchische Rechtsstrukturen interveniert.

Neben aktuellen Dokumentarfilmproduktionen, abendfüllenden Spielfilmen und kurzen Aufklärungsspielfilmen werden erstmals historische Filme aus dem Archiv von Afghan Film in Deutschland zu sehen sein, wie der 1969 gedrehte Spielfilm Talabgar ("Der Heiratskandidat") von Khaleq Alil oder der 1990 gedrehte Kurzspielfilm Saya ("Schatten") des mittlerweile in Kassel lebenden Regisseurs Alqas. Die derzeitigen Produktionsbedingungen insbesondere für Frauen im Bereich Film und Fernsehen werden in einer Gesprächsrunde mit FilmproduzentInnen aus Afghanistan diskutiert. Noch mehr als ihre männlichen Kollegen sind die Frauen dem sozialen Druck traditioneller Familienstrukturen und fundamentalistischen Anfeindungen ausgesetzt. In der gegenwärtigen Wiederaufbauphase sind zudem westliche Hilfsorganisationen ein bestimmender Faktor der afghanischen Filmproduktion geworden. Neben einigen privaten Produktionsfirmen zählen sie zu den wichtigsten Geld- und Auftraggebern. Hierbei stellt sich die Frage, ob und wie sie auf die inhaltliche Gestaltung der Drehbücher Einfluss nehmen, und welche Werte sie damit zu implementieren versuchen.

Mit dem 2007 in Hamburg gedrehten Film Ungeduldig spannt sich der Bogen nach Deutschland: Junge MigrantInnen in Hamburg sprechen über ihren Umgang mit dem Duldungsstatus und wie sie mit der ständigen Angst vor Abschiebung leben.

Als Auftakt des Festivals wird der 2006 gedrehte Film Kabul Transit gezeigt, der den widersprüchlichen Alltag internationaler und lokaler Akteure in der Millionenmetropole Kabul dokumentiert. Die Filmemacherin und Soziologin Maliha Zulfacar, derzeit afghanische Botschafterin in Berlin, wird zu Gast sein und ihren Film präsentieren.

Das Filmprogramm SPLICE IN wird nach Kassel in Berlin (Kino Arsenal 22.11.-26.11.2007) und in Hamburg (Kino Metropolis: 28.11.-06.12.2007) zu sehen sein. Den Abschluß bildet Kabul Ende April 2008

Eine Produktion von mazefilm; Künstlerische Leitung: Sandra Schäfer, Regine Dura, Elfe Brandenburger



Park der Frauen frühmorgens, Foto: Elfe Brandenburger


Eingang zum Park der Frauen in Kabul, Foto: Elfe Brandenburger


Se nouqta "Drei Punkte" von der afghanischen Regisseurin Roya Sadat (2004/AF)