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mazefilm film & gender - politics

»Are you recording?«

Sandra Schäfer mit Nacir Alqas, Elfe Brandenburger, Aiqela Rezaie, Saba Sahar und Diana Saqeb

Ausstellungskonzept in Zusammenarbeit mit Lena Ziese

Eröffnung 21. Juli, 17:00-20:00
22. Juli 2010, 11:00-20:00

Triangle Gallery, Chelsea College of Art and Design, 16 John Islip Street, London SW1P 4JU

In der Ausstellung »Are you recording?« präsentiert die Künstlerin Sandra Schäfer ihre kollaborative künstlerische Praxis mit der Berliner Filmemacherin Elfe Brandenburger und Filmemacherinnen und Schauspielerinnen in Kabul. Schäfer kontextualisiert ihre Praxis mit einer Text-Bild-Collage, Fotografien aus der Serie Urban settings and other kinds too und einer Auswahl an Filmen, die seit 1990 in Afghanistan entstanden sind.

Der Film Passing the Rainbow, der 2007 von Sandra Schäfer und Elfe Brandenburger in Kabul gedreht wurde, handelt von performativen Strategien die rigiden Gendernormen in der afghanischen Gesellschaft zu unterlaufen: auf der Ebene der filmischen Inszenierung, in der Politik und im Alltag. Leben und Rolle treffen aufeinander und überlappen, ebenso wie Verspieltheit und Aktivismus. Die Protagonist_innen eignen sich den Filmraum zu ihren Bedingungen an, um im Rahmen des Films an einem öffentlichen Sprechen teilzuhaben. Sie sind Ko-Produzent_innen des Bilds, gestalten den Inhalt der Szenen und übernehmen immer wieder die Regieführung.

Der Film Passing the Rainbow wird in einer Installation gemeinsam mit drei anderen Filmen gezeigt. Zwei von ihnen wurden ebenfalls 2007 fertig gestellt, während des sogenannten ‘Prozess der Demokratisierung’ nach 2002: 25 Darsad (25 Prozent) von Diana Saqeb und Nejat (Rettung) von Saba Sahar. Mit dem Kurzspielfilm Sayeh (Schatten) von Nacir Alqas aus dem Jahr 1990 wird der Bogen zurück zur kurzen Geschichte des afghanischen Kinos gespannt. Nacir Alqas, der nach einem zweijährigen Verbot endlich Sayeh in Kabul drehen konnte, erzählt in seinem Film die Geschichte einer Kriegswitwe deren neuer Ehemann ihren Sohn aus erster Ehe nicht akzeptiert. Das dokumentarisch anmutende Setting und die schauspielerische Arbeit der Hauptdarstellerin erinnern an Filme des italienischen Neorealismus. In 25 Darsad portraitiert die Filmemacherin Diana Saqeb in einem dokumentarischen Stil den Alltag verschiedenen Parlamentarierinnen. Sie begleitet sie während ihrer politischen Arbeit und ihrer privaten Pflichten zu Hause. Die Regisseurin Saba Sahar drehte ihren Film Nejat im populären ‘Lollywood-Stil’ mit ausgefeilten Kampfkunstszenen. Dieses Genre ist unter dem männlichen Publikum in Afghanistan sehr beliebt. Saba Sahar spielt die Hauptrolle einer verdeckt ermittelnden Polizistin. Ebenso wie ihre Hauptdarstellerin, arbeitet sie hauptberuflich bei der Polizei.

In ihrer Text-Bild-Collage reflektiert Sandra Schäfer die filmische Praxis und den Entstehungsprozess von Passing the Rainbow. Die Fotos aus der Serie Urban settings and other kinds too beschäftigen sich mit der Idee der Inszenierung von Realität als Bühne. Die in dieser Ausstellung gezeigten Fotos sind im Zeitraum von 2002 bis 2008 in Kabul entstanden. Schäfers Auswahl trägt der Überzeugung Rechnung, dass ein umfassendes Bild einer Stadt unmöglich ist. Vielmehr zeigen die Fotografien Einschreibungen spezifischer Gesten in den öffentlichen und privaten Raum.

In ihrer künstlerischen Arbeit beschäftigt sich Sandra Schäfer mit der Repräsentation von Gender, Urbanismus und (Post-) Kolonialismus. Sie war in verschiedenen kollaborativen Projekten mit Filmemacher_innen, Aktivist_innen und Theroretiker_innen involviert. Schäfer besuchte Kabul und Teheran regelmässig seit 2002, um gemeinsam mit Elfe Brandenburger für den Film Passing the Rainbow und das Filmfestival Kabul/Teheran: 1979ff zu recherchieren. In 2007 ko-kuratierte sie das Festival SPLICE IN zu Gender-Politiken in Afghanistan, den Nachbarländern und Europa, das in Kassel, Berlin und Hamburg stattfand. 2008 wurde das Festival unter dem Titel SECOND TAKE in Kooperation mit BASA-Film und Afghan-Films in Kabul fortgeführt. Schäfer ist Mitherausgeberin des Buchs Kabul/Teheran 1979ff: Filmlandschaften, Städte unter Stress und Migration, eine metroZones Publikation, die 2006 im Berliner Verlag b_books erschienen ist. 2009 ist ihr Buch stagings. Kabul, Film & Production of Representation im selben Verlag erschienen. Derzeit bereitet sie mit Montse Romani das Cine movil vor, dessen Screenings im Herbst 2010 in Barcelona und Madrid stattfinden.

Dank an Jochen Becker, Eva Broer, Gerard Choy, Emma Hedditch, Britta Lorch, Barbara Nicholls, Karin Rebbert, Rob Rankine, Duncan Smith, Lena Ziese.
Diese Ausstellung wurde unterstützt vom Künstlerschloss Balmoral, TrAIN und acava.